Homepage der Klinik für Kinder- und Jugendrheumatologie im St. Josef-Stift Sendenhorst

Alles über Kinderrheuma

Die Körperpolizei | "Rheuma hat viele Gesichter" | "Juvenile idiopathische Arthritis" | Gelenkentzündungen | Oligoarthritis | Extended Oligoarthritis | Regenbogenhautentzündung (Iridozyklitis) | Enthesitis-assoziierte Arthritis | Psoriasis-Arthritis ("Schuppenflechte-Rheuma") | Seronegative Polyarthritis | Seropositive Polyarthritis | Systemische juvenile Arthritis ("Still-Syndrom") | Systemischer Lupus Erythematodes ("Schmetterlingsflechte") | Juvenile Dermatomyositis | Juvenile systemische und lokalisierte Sklerodermie | Mischkollagenosen ("Sharp-Syndrom") | Diagnosen

Die Körperpolizei (Das körpereigene Abwehrsystem)

Bild Patientengespräch
Zum Schutz unseres Körpers verfügen wir über ein Abwehrsystem, das man mit einer "Körperpolizei" vergleichen kann. Zu ihm gehören verschiedene Organe, Zellen und Abwehreiweiße (Antikörper). Diese bilden Botenstoffe (Signalstoffe), die Informationen übermitteln. Das Abwehrsystem des Körpers hat die Aufgabe, Infektionen durch Bakterien, Viren und Pilze abzuwehren, aber auch eine Überreaktion des Körpers zu vermeiden. Zum Abwehrsystem gehören verschiedene Organe. Im Knochenmark, das in den großen Röhrenknochen wie dem Oberschenkelknochen sitzt, aber auch im Beckenkamm und Brustbein, werden rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen gebildet. Die weißen Blutkörperchen sind sozusagen die "Polizisten" im Abwehrsystem. Von ihnen gibt es sehr unterschiedlichen Arten, die z.B. Fresszellen und Lymphzellen heißen. Über das Blut gelangen diese Zellen in das Körpergewebe, in die Drüsen und Lymphknoten und in innere Organe, sogar unter die Haut. Bei einer Entzündung können sie sich stark vermehren. Die Zellen erhalten verschiedene Informationen, gehen sozusagen in die Schule, um spezielle Aufgaben besonders schnell erledigen zu können.

Blutzellen als Informationsträger

Bild Arzt mit Stoffpuppen
Blutzellen schwimmen durchs Blut, halten sich in Lymphknoten oder inneren Organen und unter der Haut auf. Lymphknoten haben eine Funktion für die Bildung von Lymphzellen und Abwehreiweißen. Die Lymphknoten sind durch Lymphbahnen miteinander in Verbindung, ferner haben sie Kontakt mit dem Blutkreislauf. So ziehen Lymphbahnen und Blutbahnen wie ein dichtes Straßennetz durch den gesamten Körper und erreichen alle Organe und Gewebe.

Die Milz ist eine Zentrale der Körperpolizei, direkt mit dem Blutkreislauf verbunden und füllt sich wie ein Blutschwamm. Sie ist ein wichtiger Abwehrfilter gegen Bakterien und andere Erreger, die direkt ins Blut gelangen. Im Blutstrom befinden sich zahlreiche weiße Blutzellen mit unterschiedlichen Funktionen. Beim Eindringen eines Fremdkörpers wird diese Stelle stärker durchblutet, die Blutgefäße werden durchlässiger, Fresszellen und Lymphzellen wandern, werden angelockt. Die betroffene Stelle wird rot und warm und kann schmerzen, dies nennt man eine Entzündung. Botenstoffe werden von Blutzellen gebildet. Sie sind erforderlich, um die Körperabwehr zu steuern, unterschiedliche Abwehrzellen anzuschalten oder anzulocken. Die Botenstoffe sind auch für das Entstehen von Fieber und Schmerzen verantwortlich.

Entzündung an den Gelenken

Bei rheumatischen Erkrankungen ist das körpereigene Abwehrsystem besonders fleißig. Es reagiert gegen körpereigene Gewebe. In der Gelenkschleimhaut sitzen zahlreiche Entzündungszellen und produzieren viele Botenstoffe, die den Knorpel und den Knochen der Gelenke angreifen können. Auch Sehnenscheiden, Schleimbeutel und andere Strukturen, die in der Nähe von Gelenken liegen und bestimmte Aufgaben haben, können eine Entzündungsreaktion mit Schwellung, Schmerzen, Überwärmung zeigen. Regelmäßige Überlastungen sind ebenfalls in der Lage, Entzündungsreaktionen hervorzurufen, z.B. Schmerzen in der Achillessehne bei einem Fußballspieler.

Entzündungsbehandlung

Ziel der medikamentösen Behandlung rheumatischer Erkrankungen ist es, die Entzündungsreaktion, die sich geben körpereigenes Gewebe richtet, zu bremsen. Man benötigt Medikamente, die die Körperabwehr davon abhalten, gegen körpereigenes Gewebe vorzugehen. Diese Medikamente nennt man auch immunsuppressiv, d.h. dass sie überschießende Reaktionen der körpereigenen Abwehr bremsen.

So werden auch Symptome wie Fieber, Schwellung, Schmerzen durch diese Medikamente unterdrückt. Sollte trotzdem Fieber auftreten, muß der Arzt umgehend entscheiden, ob dieses Fieber zur Grunderkrankung gehört oder ob es auf eine Infektion hindeutet. Es ist wichtig, frühzeitig zu erkennen, ob es sich um eine Verschlechterung der rheumatischen Entzündung oder eine zusätzliche behandlungsbedürftige Erkrankung durch Bakterien oder Viren handelt. Einige Medikamente haben das Risiko, Infektionen im Körper zu begünstigen. Daher ist unter medikamentöser Behandlung eine regelmäßige Kontrolle der Blutzellen und Organe nötig. Bei einer Blutentnahme können die roten und weißen Blutzellen gemessen werden, ebenso die Entzündungseiweiße und verschiedenen Organfunktionen. Treten Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten der medikamentösen Behandlung auf, muß die Stärke und Menge des Medikamentes verändert werden oder sogar nach Absprache mit dem Arzt eine Medikamentenpause eingelegt werden.
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"Rheuma hat viele Gesichter"

Bild Kinderzeichnung "Rheuma"
Der Begriff "Rheuma" kommt aus der griechischen Sprache und bedeutet so etwas wie "fließender Schmerz". Die Beschwerden sind von daher "fließend", weil sie manchmal morgens oder nach längerem Sitzen auftreten und im Laufe des Tages auch wieder weggehen. Mit dem Wort "Rheuma" werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, Typisch sind Entzündungen an den Gelenken, aber auch Sehnen, Schleimbeuteln und der Muskulatur. Ebenso kann die Haut und die inneren Organe können betroffen sein. Dies sieht man zum Beispiel an einem fleckigen Ausschlag, der kommt und geht oder an Fieberschüben. Wenn eine rheumatische Entzündung bei Kindern und Jugendlichen unter dem 16. Lebensjahr beginnt, heißt sie in der Sprache der Ärzte Kinderrheuma oder lateinisch:

"Juvenile idiopathische Arthritis"

"Juvenile" bedeutet, dass die Gelenkentzündung bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt.

"Idiopathisch" heisst, dass die Ursache dieser Gelenkentzündung nicht bekannt ist. Es gibt auch Gelenkentzündungen, die durch Bakterien oder Viren entstehen. Diese treten z.B. nach einem Zeckenbiss, nach einer Durchfallerkrankung oder einer Erkältung auf. Diese Gelenkentzündung werden nicht als "idiopathisch" bezeichnet. Sie unterscheiden sich vom Kinderrheuma auch durch den Krankheitsverlauf und benötigen oft eine kürzer dauernde Behandlung.

Das Wort "Arthritis" bezeichnet eine Gelenkentzündung, die sich durch die Entzündungszeichen Schwellung, Überwärmung, Schmerzen und Bewegungseinschränkung bemerkbar macht.
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Gelenkentzündungen sind häufig

1 von 1000 Kindern und Jugendlichen erkrankt pro Jahr an einer akuten Gelenkentzündung. Am häufigsten tritt diese Gelenkentzündung im Kleinkindalter als sogenannter "Hüftschnupfen! auf. Die Kinder können plötzlich nicht mehr laufen und schonen ein Bein.

Bei 20 % der Kinder und Jugendlichen dauert eine Gelenkentzündung länger als 6 Wochen. Dann kann man sie auch "chronisch" nennen. Chronische Entzündungen sind hartnäckiger und benötigen eine spezialisierte Behandlung. Verschiedenste Ursachen werden vermutet. Hierbei spielen Erbfaktoren und Störungen des körpereigenen Abwehrsystems eine besondere Rolle. Manche Entzündungen werden auch durch Keime (Bakterien, Viren) ausgelöst, können Fieber und Eiterbildung hervorrufen. Diese müssen sofort und ganz dringend behandelt werden.

Andere Entzündungen entstehen schleichend über Wochen und Monate. Hierzu gehört auch das Kinderrheuma oder in der Ärztesprache die juvenile idiopathische Arthritis.

Verschiedene Verlaufsformen werden unterschieden und im Folgenden vorgestellt.
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Oligoarthritis

Am häufigsten tritt die Gelenkentzündung nur an wenigen Gelenken auf. Betroffen sind 1 bis maximal 4 Gelenke. In diesen Fällen nennt man die Erkrankung "Oligoarthritis". Mädchen sind insgesamt häufiger betroffen. Oft ist der Krankheitsbeginn schon im Kleinkindalter. Bei dieser Erkrankung ist der Langzeitverlauf oft günstig. Bei mehr als der Hälfte der Patienten verschwindet die rheumatische Entzündung unter konsequenter Behandlung wieder.
Allerdings kann die Erkrankung auch Gelenke befallen wie z.B. die Kiefergelenke, die Handgelenke, die Sprunggelenke, was für die Körperfunktion und Belastung ungünstig ist.
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Extended Oligoarthritis

Sind zahlreiche Gelenke (mehr als 5) entzündet, ist der Verlauf oft ungünstig und eine besonders frühzeitige und konsequente Behandlung erforderlich. Diese Form heisst "extended Oligoarthritis" Bei Behandlung ist nicht nur die Zahl der Gelenke, sondern auch die Funktion und das Ausmaß der Entzündung zu berücksichtigen. Allgemein kann man sagen, daß bei frühzeitiger und effektiver Behandlung mögliche Schäden an den Gelenken oft zu verhindern sind.
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Regenbogenhautentzündung (Iridozyklitis)

Sehr wichtig ist auch eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung, da eine sogenannte Regenbogenhautentzündung (Iridozyklitis) völlig unbemerkt ohne Lichtscheu, Schmerzen oder Rötung des Auges auftreten kann. Regelmäßige Augenarztbesuche sind zur frühzeitigen Erkennung von Problemen wichtig. Es gibt auch eine Augenentzündung, bei der eine Rötung, Schmerzen und eine extreme Lichtscheu des Auges auftritt. Diese Augenentzündung ist ein typisches Symptom einer anderen Verlaufsform des Kinderrheumas, die im folgenden beschrieben ist.
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Enthesitis-assoziierte Arthritis

Bei dieser Verlaufsform die typischerweise mit Gelenkentzündungen, Schmerzen und Schwellung an den Sehnenansätzen auftritt, sind vorwiegend Jungen betroffen, die älter als 6 Jahre alt sind. Typischerweise tritt die Gelenkentzündung an Hüftgelenken, Kniegelenken und Sprunggelenken auf, nicht selten auch im Langzeitverlauf an der Wirbelsäule. Im Jugend- und Erwachsenenalter kann die Wirbelsäule völlig versteifen. Die sogenannten Beckenfugengelenke und die kleinen Wirbelgelenke sind besonders gefährdet. Manchmal tritt diese Erkrankung familiär gehäuft auf. Im Blut ist bei vielen dieser Patienten ein bestimmter Blutwert, der "HLA-B-27" genannt wird, nachweisbar: Dieser Wert weist auf ein vererbbares Risiko für bestimmte rheumatische Erkrankungen hin.
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Psoriasis-Arthritis ("Schuppenflechte-Rheuma")

Ein weiterer Risikofaktor für das Auftreten einer rheumatischen Entzündung ist das Vorhandensein einer Schuppenflechte (Psoriasis) in der Familie (Eltern oder Geschwister). Bei der Schuppenflechte tritt häufiger eine rheumatische Entzündung auf. Die Schuppenflechte selbst kann versteckt sein am Haaransatz, den Nägeln, dem Nabel, aber auch an Stellen vermehrter Belastung wie Ellbogen, Knien auftreten. Typischerweise tritt diese Gelenkentzündung nicht gleichzeitig mit der Schuppenflechte auf. Bei der sogenannten "Psoriasis-Arthritis" kommt es zu Schwellungen oder Verdickungen einzelner Finger oder Zehen und betrifft oft mehrere Gelenke am gleichen Finger bzw. der gleichen Zehe. Im Volksmund nennt man diese auch "Wurstfinger" oder "Wurstzehen". Es können jedoch auch viele Gelenke betroffen sein. Auch eine Beteiligung der Wirbelsäule ist nicht ungewöhnlich. Manchmal kann die Gelenkentzündung der Schuppenflechte um Jahre bis Jahrzehnte vorausgehen.
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Seronegative Polyarthritis

Bei einer "Polyarthritis", d.h. der Entzündung von 5 und mehr Gelenken besteht von Beginn an ein symmetrischer Befall an großen und kleinen Gelenken. Besonders häufig betroffen sind die Hand- und Fingergelenke, aber auch die großen Gelenke an Armen und Beinen. Aufgrund der Entzündung entsteht eine Fehlstellung mit vermehrter Gelenkbeugung als Schonhaltung, oft verbunden mit einem Muskelschwund und dem Rückgang der Muskelkraft. Da bei dieser Form Rheumafaktoren meist nicht im Blut nachweisbar sind, nennt man diese Form auch "juvenile seronegative Polyarthritis".
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Seropositive Polyarthritis

Rheumafaktoren kommen im Blut von Kindern und Jugendlichen selten vor. Sie sind daher keine Untersuchung, mit der man Rheuma bei Kindern und Jugendlichen beweist. Bei mehr als 95 % der Patienten mit Kinderrheuma sind keine Rheumafaktoren im Blut nachweisbar. Bei einer speziellen Verlaufsform, der "seropositiven juvenilen Polyarthritis", sind Rheumafaktoren im Blut nachweisbar und hilfreich für die Diagnose. Im Kindesalter ist diese Verlaufsform relativ selten. Betroffen sind vorwiegend Mädchen im älteren Schulkindalter. Eine frühzeitige Diagnosestellung und konsequente Behandlung ist sehr wichtig, da die Entzündungen an großen und kleinen Gelenken mit erheblichen Funktionseinschränkungen und Veränderungen an den Knochen (Schäden auf den Gelenkflächen) einhergehen kann und oft dem Rheuma von Erwachsenen entspricht.
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Systemische juvenile Arthritis ("Still-Syndrom")

Rheuma tritt auch mit Fieberschüben und kleinen rosafarbenen Flecken an der Haut auf und kann wie eine Infektionserkrankung aussehen.

Bei diesen Patienten treten 1-2 x täglich Episoden mit hohem Fieber bis 40°C auf, oft verbunden mit flüchtigen Ausschlägen und einem deutlichen Krankheitsgefühl. Gelenkentzündungen treten im ersten halben Jahr auf, wenn man die Diagnose eines systemischen Rheumas bzw. einer "systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis" stellen kann. Nach dem Arzt, der diese Erkrankung zuerst beschrieben hat, nennt man diese Form auch "Still- Syndrom". Sollten nur Fieberschübe und Auschläge auftreten, nennt man die Situation "Fieber unklarer Ursache". Bei dieser Verlaufsform können auch innere Organe durch die Ablagerung von Entzündungseiweißen verändert werden. Es kann zu Flüssigkeitsansammlungen in Körperhöhlen, z.B. im Herzbeutel, Rippenfell oder Bauchfell kommen mit akuten heftigen Beschwerden.

Diese Form des Kinderrheumas kann wegen der Fieberschübe mit einer Infektionserkrankung verwechselt werden. Sie kann jedoch auch durch Infektionen ausgelöst oder verschlimmert werden. Bei dieser Verlaufsform ist eine spezialisierte Betreuung von Anfang an wichtig.
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Systemischer Lupus Erythematodes ("Schmetterlingsflechte")

Neben den häufigeren Formen des Kinderrheumas gibt es noch verschiedene seltene rheumatische Entzündungen, die durch eine Störung des Abwehrsystems erklärt werden. Hierzu gehören vor allem die Kollagenosen, z.B. der "systemische Lupus Erythematodes", auch Schmetterlingsflechte genannt, der mit typischen schmetterlingsartigen Ausschlägen im Gesicht und einer entzündlichen Gelenk- und Muskelbeteiligung einhergehen kann. Auch bei dieser Verlaufsform sind Muskelschwäche, Leistungsknick und Fieber häufige Krankheitszeichen. Prinzipiell kann diese Erkrankung zahlreiche innere Organe betreffen, wie z.B. das Herz, die Blutgefäße, die Niere, aber auch die Blutbildung. Lymphknoten, Leber und Milz sind aufgrund der übermäßigen Reaktion des Immunsystems angeschwollen. Es kann zu Flüssigkeitsansammlungen in Hohlräumen des Körpers, z.B. im Rippenfell, Bauchfell und Herzbeutel kommen. Frühzeichen ist häufig eine Gelenkentzündung an großen und kleinen Gelenken, eine Lichtempfindlichkeit auf Sonnenstrahlen und Müdigkeit. Typischerweise beginnt die Erkrankung erst nach dem 10. Lebensjahr, bevorzugt sind Mädchen betroffen.
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Juvenile Dermatomyositis

Eine weitere seltene "Kollagenose" ist die sogenannte "juvenile Dermatomyositis". Der Name besagt, dass im Kindes- und Jugendalter eine Entzündung an der Haut und Muskulatur auftritt. Hierbei zeigt die Haut eine fliederfarbige Verfärbung im Gesicht, Rötungen an den Streckseiten großer und kleiner Gelenke sowie auffällige Blutungen an der Nagelbettbegrenzung. Auffällig ist eine deutlich abnehmende Muskelkraft, so dass die Patienten sich nur noch mit fremder Hilfe an- und ausziehen können. Die Muskelinhaltsstoffe werden deutlich erhöht gemessen. Auch der Herzmuskel kann beteiligt sein.
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Juvenile systemische und lokalisierte Sklerodermie

Eine weitere seltene Kollagenose ist die systemische Sklerodermie, bei der es zu ausgeprägten Durchblutungsstörungen an der Haut kommt. Auch hier besteht das Risiko einer Beteiligung innerer Organe, wie z.B. der Lunge. Es kommt an der Haut, aber auch an inneren Organen zu Durchblutungsstörungen und einem bindegewebigen Umbau. Die Sklerodermie kann auch begrenzt nur an der Haut auftreten mit Pigmenstörungen und narbigem Umbau der Haut.
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Mischkollagenosen ("Sharp-Syndrom")

Mischbilder dieser Erkrankungen, sogenannte Mischkollagenosen sind ebenfalls zu bebachten. Die Diagnosen werden aufgrund des klinischen Verlaufs, aber auch typischer Blutuntersuchungen und Organuntersuchungen gestellt. Typischerweise sind Schwellungen der Fingergelenke mit Händen, die aussehen, als ob mit ihnen Schwerstarbeit verrichtet wurde und Bewegungseinschränkungen zahlreicher Gelenke. Es gibt charakteristische Laboruntersuchungen zur Diagnosestellung. Wegen der Seltenheit der Erkrankungen sollte die Diagnosestellung und Therapie einem kinder- und jugendrheumatologischen Spezialisten überlassen werden.
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Diagnosen werden in Detektivarbeit gestellt

Bild Augenärztin
Manchmal steht am Anfang einer Erkrankung nur das Gefühl, sich nicht mehr so wohl zu fühlen, ein vermehrtes Schlafbedürfnis, verminderte Leistungsfähigkeit oder Fieber zu haben. Gelenkschwellungen oder Gelenkschmerzen, Unlust zu Laufen, schlechte Erholung nach Infektionen oder Belastungssituationen gehören hierzu.

Selten zeigt die Erkrankung bereits das volle Bild. In einem sehr sorgfältigem Informationsgespräch mit Kind und Eltern erfasst der Arzt möglichst alle Gesichtspunkte, die vor oder während des Auftretens der Erkrankung zu beobachten waren. Hierzu zählen auch durchgemachte Erkrankungen wie Durchfall, Infektionen, Zeckenbiss, Stürze, Belastungssituationen. Auch Erkrankungen in der Familie wie Schuppenflechte, chronische Rückenschmerzen oder rheumatische Entzündungen gehören hierzu.

Diagnostik

Sehr wichtig ist eine genaue körperliche Untersuchung aller Gelenke, der gelenknahen Strukturen wie Gelenkkapsel, Sehnen, Schleimbeutel. Die Lokalisation der Schwellungen ob es sich um Gelenk- oder Knochenschmerzen handelt, Muskelverkürzungen am liegenden oder sitzenden Patienten, aber auch das Bewegungsbild mit Auf- und Abgehen, Bücken und die körperliche Belastbarkeit spielen eine große Rolle. Ebenso werden Sinnesorgane und innere Organe, Lymphknoten und die Haut beurteilt, um Auffälligkeiten zu registrieren.

Häufig wird der Ultraschall an den Gelenken oder inneren Organen eingesetzt, um Flüssigkeitsansammlungen, Schwellungen oder andere Veränderungen zu erfassen. Die Labordiagnostik hilft, das Ausmaß der Entzündung zu bestimmen und durchgemachte Infektionen anhand typischer Blutreaktionen zu erfassen.

Mit einer Röntgenuntersuchung lassen sich knöcherne Veränderungen an den Gelenken oder dem Skelettsystem genau darstellen. (Nun kannst Du Dir sicherlich vorstellen, warum es manchmal lange dauert, bis eine Diagnose vollständig gestellt werden kann.)

Röntgenuntersuchungen, Laborwerte und Untersuchungsergebnisse sollten von daher zu einem Untersuchungstermin mitgebracht werden. Häufig benötigt der Arzt noch das Urteil seines Fachkollegen über Veränderungen an einem bestimmten Organ. So wird er häufig eine augenärztliche Untersuchung veranlassen, um eine unbemerkt verlaufende Augenentzündung frühzeitig zu erkennen. Auch der Kieferorthopäde kann wichtig sein, wenn plötzlich Schmerzen beim Kauen auftreten oder eine Gesichtsasymmetrie beobachtet wird.
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